Selbsterfahrung

Gegenwart Jetzt Immer – das Leben

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Nur EIN Leben – Gegenwart. Was gestern war, ist vergangen, wie Schnee vom letzten Jahr; jeder Gedanke an Morgen ist letztlich spekulativ. Bei ein wenig Nüchternheit gibt’s kaum jemanden, der dies in Frage stellen würde. Warum jedoch tun wir uns im allgemeinen so schwer, diese Tatsache anzunehmen? Sind es die unerledigten Dinge der Vergangenheit, die Kompliziertheiten und Neurosen der Vergangenheit, die ihre Schatten als Angst und Sorge in die Zukunft werfen? Und präzise am Feuer lebendiger Gegenwart vorbei? Müssen wir wirklich stets auf der Flucht sein vor dem aktuellen Hier und Heute?

Zumindest als Ahnung lebt IN uns das unbegrenzte Glück vom ewigen Paradies. Alle Märchen, Mythen, Religionen und Legenden, unzählige Dichter und Philosophen erzählen darüber von Zeitalter zu Zeitalter. – Können Vergangenheit und Zukunft wirklich zusammen fließen im Hier und Heute, wie immer und immer wieder behauptet wird? Oder sind auch dies Hirngespinste einer enttäuschten und sehnsüchtigen Seele, die so die Sicherheit ihrer Sterblichkeit verdrängen will?

Das Gebrechen der Seele – gebunden von den alten Vorstellungen, Anschauungen, Konditionierungen, ängstlich in eine imaginäre Zukunft zu blicken. Vielleicht ist dies die Wurzel aller Krankheiten schlechthin?

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Wird das Leiden durch die Unerfülltheit in uns stärker, halten wir es auf dieser Welt nur mehr schwer aus, werden wir entweder krank und verrückt, drogenabhängig beispielsweise – oder es wird in uns die Suche nach Auswegen geboren. Und dann kann es sein, dass die eben erwähnten Legenden, Mythen, Philosophien als Möglichkeit, als denkbare Wirklichkeit erscheinen. Und wenn wir dann von der Freude, dem schönen Götterfunken hören, werden unsere Herzen entflammt mit einer neuen Kraft, die nicht mehr zu aufzuhalten ist – und dann ist es gut.

Die Seele, die ihren Grund im innewohnenden Licht zu erkennen vermag, kann geheilt werden. Nur diese. – Denn ohne den einen Grund, sind wir orientierungs- und steuerlos, ängstlich und verwirrt – und es kann nicht anders sein, nie. Wundert es uns, dass wir, unglückliche, gleichsam blind funktionierende Automaten irgendwann auch körperlich auseinanderbrechen?

Wo hingegen der Grund, der Grund in uns lebendig wird, wird die Seele licht und strahlend und auch unsere Körper werden die Früchte davon tragen – ohne dass die materielle Hülle je unsterblich werden könnte. Diese materielle Hülle wird im günstigen Fall abgelegt wie ein schwerer, abgetragener Wintermantel beim Betreten der lichten und freundlich warmen Wohnung.

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Die große Heilkunde der Seele berichtet stets von der Freude des Lebens in seiner eigentlichen, inneren Bestimmung. Kommt etwas IN uns zur Resonanz mit diesem Ruf eines alten, tiefen Geheimnisses – mit so etwas wie Ewigkeit, dann beginnt eine neue große Reise – die Reise in die Unendlichkeit unserer Seelenheimat. – – – Und diese ist, hier, heute, jetzt und immer, obwohl der Weg manchmal zäh und mühsam ist, weil es oft lange dauert, bis wir keinen Widerstand mehr leisten wollen …

Foto:  Schnee vom letzten Jahr, Hermann Achenbach

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