Poesie Lyrik

Die Flötenmelodie

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An einem Herbstmorgen gehe ich durch eine von sanften Hügeln durchzogene Landschaft. Die Nebelschwaden legen etwas von der tiefstehenden Sonne frei und ein Stückchen blauen Himmel.

Durch die Felder gehe ich und erreiche ein kleines Dorf. Ich wähle einen Weg, der hinabführt.

Da lausche ich. Ich höre eine wunderschöne Melodie, ganz leise und zart. Es ist eine Flöte. Kommt die Musik aus einem dem Morgenlicht geöffneten Fenster?

Ich schreite weiter und begreife nicht, wo die Töne entspringen. Aber ich höre sie, eine tief innerlich berührende Melodie, in einfacher Weise sich wiederholend. Sie wird langsam lauter. Stets berührend.

Ich habe das Gefühl, als „wanderte” die Musik durch den Luft-Äther. Sie wird noch deutlicher. Innerlich kann ich sie mitsingen. Die Flötenstimme prägt sich in mein Herz.

Ich bleibe vor einem herbstlichen Garten stehen, betrachte die verlassene Gartenbank unter einem Rosenbogen. Nichts blüht mehr. Die Blätter liegen vereinzelt auf einem Steinrondell. Kahle Büsche umsäumen die kleine Stelle.

Ich schaue hinab in das Tal, da fährt ein Auto vorbei, das Fenster geöffnet. Kam da die Flötenmusik heraus? Ich gehe weiter. Die Melodie wird langsam leiser. Das Auto verschwindet hinter einem Hügel. Die Töne verebben nach Sekunden, die andauern.

Ich kehre den langen schönen Weg zurück. Die Melodie ist in meinem Herzen verblieben, sie schwingt nach. Auch wenn ich sie vergessen habe, weiß ich, dass sie wieder auftauchen wird – in einem Moment, in dem ich mich vielleicht nicht mehr daran erinnern kann, wo ich sie gehört habe.

Sie ist raumlos, sie ist zeitlos. Sie ist im unermesslichen Raum meines Herzens.

Foto: Christel Achenbach

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