Kunst

Der Garten der himmlischen Freuden

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Buchbesprechung von

Heiner Frei

Catharina Barker:

Der Garten der himmlischen Freuden von Hieronymus Bosch – im Licht der Lehre von Christian Rosenkreutz, Band I: Das Leben in Religion, Tradition und Philosophie, Euro 17.50,

Achamoth Verlag, Taisersdorf / Bodensee, 2012, 978-3-923302-35-2

Das Triptychon „Der Garten der himmlischen Freuden” des niederländischen Malers Bosch (1450 bis ca. 1516) ist auch bekannt unter dem Namen „Garten der Lüste”. Der unbefangene Betrachter dieses Werkes kann etwa den folgenden Eindruck haben: In meisterhafter Ausführung aberhunderte eindrücklicher Gestalten und Erscheinungen – Menschen, Tiere, Wesen, Teiche, Pflanzen, Objekte, Geräte, bizarre Gebilde – mit den merkwürdigsten Attributen, in einmaliger Komposition, die einen unvergleichlich reichhaltigen Anblick bietet: von sehr schön, über seltsam, zu höchst eigenartig bis hin zu entsetzlich abartig.

Catharina Barker hat mit ihrem Band I einen Teil der Figuren des Bildpanoramas auf dem Wege der Geistesforschung aufgeschlüsselt. In Band II: Die Evolution der Persönlichkeit und Band III: Das Aufblühen der Individualität wird sie den Inhalt der verbleibenden Bildteile bearbeiten.

Sie ist der begründeten Überzeugung (siehe S. 16-20), dass das von Bosch zur Darstellung Gebrachte bis in jede Einzelheit – bis in jedes Symbol, jede Sonderbarkeit, jede kleinste Geste – die Wirklichkeit von Mensch und Welt bedeutet und zwar, wie dem Untertitel des Buches zu entnehmen ist, vom höchsten Standpunkt aus: von demjenigen des Menschheitslehrers Christian Rosenkreutz aus. Weil die Rosenkreuzer, so sagt die Autorin, von der Inquisition schwer verfolgt wurden, konnte Bosch – um nicht auf dem Scheiterhaufen zu landen – die Wirklichkeit aus der Sicht von Christian Rosenkreutz nur vollkommen verschlüsselt darstellen. Da Boschs Werke ganz unverstanden geblieben sind, hat Bosch heute den Ruf eines Surrealisten oder Teufelchenmalers.

Der Hauptteil von Band I besteht in der Aufschlüsselung des Reiterkreises in der Bildmitte. Die von Catharina Barker präsentierte Fülle an Erkenntnissen ist sehr erstaunlich. Ein Beispiel hieraus:

In der Hauptgruppe ganz vorne, die Gruppe der Rosenkreuzer, reitet der höchste Eingeweihte, der höchste Mensch auf Erden, Christian Rosenkreutz, auf einem wüsten, nicht-naturalistischen Tier. Dieses Tier ist so etwas wie der gesammelte Hochmut aller Menschen auf Erden, einschließlich seiner Schüler, den er, Christian Rosenkreutz, auf sich genommen hat. […] Hinter ihm tragen Christian Rosenkreutzs Schüler eine Frucht, welche die Stufe der Erkenntnis darstellt. Diese trägt einen Raben. Doch dazwischen hat sich eine Art Sperber gedrängt, der sich die Frucht räuberisch zum Fraß macht. Auch hier spielt der Egoismus im Erkenntnissammeln eine Rolle. In der Frucht steckt, diese verletzend, eine Feder mit einem Siegel. Wie viele von den heiligen Texten wurden zerredet und ‚zerschrieben‘!” (S. 47-48)

Das Buch enthält mancherlei erschütternde Ergänzungen zur reinen Bildbeschreibung, die bisher noch niemand ausgesprochen hat: z.B. zum Evangelist Johannes (S. 86), zu Abraham (S. 54) oder zu Christian Rosenkreutz (S. 50 und S. 114).

Nach dem Lesen des reich bebilderten Buches vermag man Boschs Werk noch anders zu erleben als ein unbefangener Betrachter. Man kann nachvollziehen, wenn Catharina Barker sagt, dass „sich die Details durch die Schönheit von Boschs vollendetem künstlerischen Genie” einem tief einprägen, und wenn sie zusammenfassend festhält: „Bosch hat mit seinem Werk nicht nur der rosenkreuzerischen Weisheit ein Denkmahl gesetzt, sondern auch ein Werk geschaffen, das heute wie auch für künftige Generationen dem suchenden und nach Vertiefung strebenden Menschen eine grosse Hilfe sein kann.” (S. 20)

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