Selbsterfahrung

Wenn alles Überflüssige entfernt ist

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Unsere Zeit ist so aufregend,

dass man die Menschen eigentlich

nur noch mit Langeweile schocken kann.

Samuel Beckett

Früher ging man zum Markt und hing an den Lippen der Händler, die aus anderen Gegenden oder sogar aus fernen Ländern kamen, um Neuigkeiten zu erfahren.

Noch Mitte letzten Jahrhunderts wurde das Radio angestellt und die Kinder mit „Pssst! – Nachrichten” zur Ruhe gebracht.

Persönliche Neuigkeiten und Briefe aus fernen Ländern brauchten wochen- und monatelang, um die Lieben in der Heimat zu informieren.

Und heute? Jederzeit haben wir Zugriff auf alle Informationen, egal ob privater, politischer, kultureller oder gesellschaftlicher Art. Beinah zeitgleich zum Ereignis kann sich derjenige, der es wirklich wissen will, hierüber informieren. Wie haben sich die Zeiten geändert!

Objektiv und neutral sind die Informationen heute so wenig wie in früheren Zeiten.

Dafür können wir, wenn wir Zeit dafür hätten, endlos weiter forschen und ermitteln.

Was früher begehrt war, ist heute eine Informationsflut, ja ein Informations-Tsunami.

Ablenkung in unserer Zeit – wovon?

Der Blickwinkel, die Perspektive richtet sich meist nach außen, auf das, was Fachleute und Experten sagen, denn die wissen es angeblich.

Was ist innen? Innen, das bin ich. Was meine, glaube, denke ich? Ja, wer bin ich eigentlich?

Wer bin ich jenseits von Interaktion mit anderen und jenseits von Re-aktion auf Ereignisse und Menschen?

Ist das langweilig? Ist man sich selbst langweilig? Und was kommt hinter der Langeweile?

Was passiert, wenn ich mal keine Informationen aufnehme, Handy und Fernsehen weglasse, keine Musik höre, nicht lese und nicht mit andern Menschen zusammen bin?

Gruselige Vorstellung?

Spannende Erfahrung!

Eines der letzten Abenteuer des Lebens!!!

Es gibt niemanden, der diese Erfahrung schon einmal gemacht hat und dann genau erzählen könnte, was ihm/ihr passiert ist.

Verdrängte Schatten und vernachlässigte Kellerkinder können auftauchen, aber es können auch innere Schätze gehoben werden.

Wenn man entschleunigt und zur Ruhe kommt, können wunder-volle Dinge geschehen.

Plötzlich werden Dinge wahrgenommen, an denen man sonst vorbei rennt.

Es kann gespürt, gefühlt, erlebt, ja wirklich „gelebt”, eine neue Lebendigkeit erfahren werden.

Da wird Raum geschaffen für Intuition, für ungeahntes Wissen, zu dem wir unvermutet Zugang bekommen. Man kann ja die Dosierung wählen, wie man es braucht oder verkraftet, kann vielleicht klein anfangen:

vom Sessel aus einfach in die Wolken schauen –

an Bach, Fluss oder Meer verweilen –

alleine einen Spaziergang, eine Wanderung oder Pilgerreise durch die Natur machen –

oder wirklich einmal in die Wüste fahren, dort eine Zeit nur mit sich selbst verbringen und schauen, was ist, wenn nichts ist…

Warum in die Wüste?

Ich möchte wissen was ist,

wenn alles Überflüssige entfernt ist,

wenn ich mich nicht mehr mit dem Außen ablenken,

mich nicht mehr in Aktivitäten verstricken kann,

nicht mehr Bestätigung und Ablehnung erlebe.

Ich möchte wissen,

was dann von mir übrig bleibt,

zum Vorschein kommt,

was mein wahres Selbst ausmacht.

Was kann es Aufregenderes,

Wichtigeres geben?

Das wäre doch mal etwas anderes,

sich nach innen wenden, zur Ruhe kommen, der Stille lauschen, mal nichts tun, nur atmen, wach und aufmerksam – einfach sein im Hier und Jetzt

und dann mal schauen, was passiert.

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