Kunst

Vor 33 Jahren zeichnete ich einen blühenden Apfelbaum

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Vor 33 Jahren zeichnete ich einen blühenden Apfelbaum im Freien.

Vier Tage schleppte ich täglich eine schwere Staffelei und die Bildtafel im Format 100 x 150 cm an die unwegsame Stelle zu meinem Baum-Modell. Mir war das kunstgeschichtlich Unzeitgemäße bewusst, mir war klar, dass die Kunst die Natur als Vorbild erfolgreich überwunden hatte. „Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar”, postulierte der verehrte Meister Klee. Die Kunst hatte sich erfolgreich befreit von der Sklaverei der Natur-Nachahmung, hin zum Ausdruck innerer seelischer Prozesse und der kritischen Auseinandersetzung mit Geschichte und Gesellschaft. Doch ich war (und bin), wie viele Menschen, zutiefst ergriffen und spontan überwältigt von der Schönheit der Natur, vor allem vom Anblick alter blühender Apfelbäume. Darauf zu reagieren, gestaltend zu antworten, war ein Drang, ja eine Notwendigkeit. Diesem Rätsel des Schönen, mit meinen Mitteln und Möglichkeiten auf die Spur zu kommen, war, und ist, wie ein Auftrag.

Dem historisch klugen Satz von Klee stand die zeitlose Weisheit von Novalis: „Das Sichtbar ist ein in den Geheimniszustand erhobenes Unsichtbares” gegenüber.  Auch Goethes Wort: „Man suche nichts hinter den Phänomen, sie selbst sind die Botschaft”, sprach mich tiefer an, wirkte aktueller und lebendiger auf mich, als die schwächer werdenden avantgardistischen Trompetenstöße der Moderne und Nachmoderne, die, nach vielen ideologischen und stilistischen Überschwemmungen, kostbare Gestaltungserde und faszinierend neue Möglichkeiten des Ausdrucks zurückließen.

So begann das Zeichnen. Der Tanz der Bienen floss in die Bewegungen der zeichnenden Hände hinein und die Lungenflügel segelten in duftender Luft. Alle Sinne waren hochgestimmt und standen in unmittelbarer Wechselwirkung mit der umfassenderen Körperlichkeit der Natur.

Das Mitten-drin-sein, die wechselnden Zustände, zwischen denen sich die zeichnende Hand, mit dem Stift sirrend, wie ein Bogen auf den gespannten Saiten einer Geige bewegte. Die Vogelstimmen, das Surren der Insekten und die Vibrationen der Bienen, flossen unmittelbar in den zeichnerischen Dialog ein und steigerten das Sehen. Aus einem ersten tastenden Erblicken wurde ein innehaltendes Schauen, das in ein fassungsloses Staunen überging. Das Bekannte wurde als ein großes Fremdes erlebt. …

Alfred Bast wird dies weiter ausführen.

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Foto: Regina Rust

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